Die Luft der Max-Taut-Aula knisterte am 16.05.2017 förmlich vor Aufregung, Vorfreude sowie Anspannung. Der diesjährige Poetry Slam der Alexander-Puschkin-Schule präsentierte seine sechs besten Teilnehmer im Finale. Das sind: Konstantin Kostenko und Tim Thomas aus dem 7. Jahrgang, Aimeè Julie Marczak aus dem 8., Lily Nelson aus den 9. sowie Aaron Paape und Jenny Nguyen aus dem Abschlussjahrgang. Hinter den Poeten lag ein langer Weg des Aussiebens durch die Vorrunden im regulären Unterricht und den Vorentscheid, aber auch ein künstlerischer Schaffensprozess, der im eigenen Zimmer begann und in einem Work-Shop mit der Poetry Slammerin Jessy La Fleur mündete. Nun konkurrierten die Poeten mit ihren Ideen, Texten sowie ihrer Performance gegeneinander um die Gunst des Publikums. Sie erweckten ihre Texte zum Leben, entflammten die Fantasie der Zuhörer und inspirierten womöglich noch unentdeckte Poeten zum Schreiben. Es war nicht leicht für das Publikum sich für einen Sieger zu entscheiden. Es gab einen regen Austausch im Publikum. Am Ende gewann Lily mit ihrem gesellschaftskritischen Text über den aussichtslosen Kampf „der Spatzen gegen die Löwen“ die Herzen des Publikums. Der Abend war ein Genuss für die Ohren und die Seele. Danke dafür an alle Teilnehmer. Erfreut uns auch weiterhin mit euren Ideen und Talent.

 

Jeden Tag fühlen wir uns wie neu geboren.

Jeden Tag wird uns etwas Neues beigebracht.

Jeden Tag wird uns gepredigt, was wir doch einmal erreichen sollen.

Jeden Tag werden Erwartungen an uns gestellt.

Jeden Tag wird uns gesagt, was wir falsch machen.

Doch an keinem dieser vielen Tage, wird gefragt, was wir doch zu sagen haben.

Das Einzige, was man über uns sagt: „Ach, die Jugend heutzutage sollte sich was schämen!“

Aber wieso sollen wir uns schämen?

Wir sind doch die Täter der Zukunft. In dieser Jugend steckt vielleicht die Magie, die wir alle benötigen. Vielleicht sind wir die Rettung der nächsten Generation. Die Jugend hat keine Macke, wir allesamt haben eine.

Nun stehe ich hier oben auf einem Wolkenkratzer, hier oben ist es kalt, der Wind rauscht im Sekundentakt an mir vorbei und die Luft ist eng. Doch ich habe keine Angst, dass der Wind mich nach vorne schubst, die Luft meinen Atem raubt oder die Kälte mich einfriert. In mir tobt etwas Anderes. Eine andere Definition als die Angst. Eher die Wut.

Ja, verdammt, ich bin wütend!

Doch ich kann kaum etwas sagen, obwohl ich es tagtäglich vor dem Spiegel übe. Aber dann bin ich dran und die Kälte friert meine Stimmbänder ein. Es ertönt nur ein Piepsen und die Worte verschwinden nach gefühlten drei Sekunden! Denn wer hört schon auf einen Spatzen, wenn der Löwe mehr zu sagen hat.

Aber ich stehe hier oben auf einem Wolkenkratzer und lasse einfach meinen Gedanken freien Lauf. Denn was wären die Pflanzen ohne die Bienen, was wäre all das Grüne ohne das feuerrote Licht und die Lebewesen ohne das teure Wasser? Nun, was wäre die Natur bloß ohne einander? Nach und nach würde eins nach dem anderen verschwinden, denn sie funktionieren nur miteinander. Und wir sind mittendrin in dieser wundervollen Verbindung. Aber was machen wir mit uns?

Wir vergessen, wer wir waren. Schalten den Rückwärtsgang ein und verlernen das Wesentliche, was wir gelernt haben. Dabei sind wir nicht wirklich die Täter, sondern eher die Zuschauer. Die Täter sind eher die Löwen, die sogenannten Führer. Sie wollen etwas Gutes für uns, doch sie besitzen nur den Tunnelblick eines Hundes, der nach Macht sucht.

Dabei wirkt es so, als würden 3-jährige Kinder über den größeren Bauklotz streiten, alles zerstören, was andere aufgebaut haben und alles durch die Gegend werfen. Bloß wir sind die, die es abbekommen, doch für uns interessiert man sich nicht. Denn wenn du nichts bist, dann bist du einfach nichts. Besitzt du nicht genügend Geld, wirst du nicht anerkannt. Man schießt dich weg wie einen Zapfen vom Gehweg. Was ist nur passiert?!

Sie teilen uns in Rassen ein, doch wir sind keine Hunde. Wir sind Menschen und jeder einzelne ist anders. Da gibt es auch keine Worte dafür, wenn du sagst: „Du bist anders!“, wenn du doch selbst anders bist.

Ich stehe hier oben auf einem Wolkenkratzer und sehe zu, wie sich der Hass, wie sich die Nacht ausbreiten und unsere Liebe nach und nach verschwindet. Wir legen sie zwischen Hausaufgaben und unter alte Bücher und vergessen sie.

Verdammt, wir liegen am Höhepunkt der Geschichte! Wir haben die Wahl wider alles zuwiderzuhandeln oder aus den Fehlern zu lernen. Und ich sage mir immer: ein 3-jähriges Kind hat das Recht auf eine Kindheit, ein 10-jähriges Kind darf träumen über seine Zukunft und die Jugend sollte sich nicht um ihre Zukunft fürchten.

Versuchen wir doch, unsere Liebe zwischen dem vergessenen Zeug wiederzufinden, den Hass in den tiefsten Ozean zu sperren und in den alten Büchern nachzuschauen, um zu erlesen, was doch alles passiert ist. Die Hausaufgaben machen und wieder zu lernen und zu akzeptieren, uns kein Bild zu machen, wie wir alle auszusehen haben, uns nicht gegenseitig zu vergleichen. Wir leben auf einem blauen Planeten und sind freie Wesen auf den grünen Flächen und können sein, wer wir wollen, wenn wir es nur gegenseitig zulassen. Wir sind alle verbunden mit einem dünnen dehnbaren Faden und dürfen ihn nicht zerstören, denn wir harmonieren nur mit einander, wir brauchen einander, sonst verschwinden wir nacheinander.

Ich stehe hier oben auf einem Wolkenkratzer und kann nicht verlangen, dass man auf einen Spatzen hört. Vielleicht muss man mir noch vieles predigen, vielleicht sollte ich mich anpassen, vielleicht bin ich die Dumme, vielleicht mache ich vieles falsch. Doch es waren nur meine Gedanken, die einfach nur farbig umherhüpften, und selbstständig ein Lied spielten. Aber all das waren nur Fantasien, die ein 3-jähriges Kind sehen will, sich ein 10-jähriges Kind wünscht und die Jugend nur noch zu hoffen wagt…

Aber wie schon einmal gesagt, wer hört auf einen Spatzen, wenn nur der Löwe mehr zu sagen hat.

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